Buchtipps

Rob Alef (Rotbuch Verlag)

Paluschke & Zabrieskie ermitteln. Dorfner macht kurzen Prozess. Die Flieger kreisen über Berlin und legen alle in Schutt und Asche, damit saniert und erneuert werden kann. Jeder bekommt sein Fett weg ohne blöd dazustehen. An Stelle von Straßenschilder rufen 1€uroJober die Straßennamen aus. Dazwischen Pandas, Pinguine und Insekten. Und jede Menge Morde.

Man sollte Rob Alef lesen, ohne alles verstehen zu wollen, dann versteht man schon alles. Charmant, intelligent, spannend, humorvoll.

  • Bang Bang stirbt
  • Das Magische Jahr
  • Kleien Biester
  • Immer schön gierig bleiben

Pete Dexter Deadwood ( Liebeskind Verlag)

Wild Bill Hickoks Leiden, Leben und Sterben gibt die Rahmenhandlung zur Geschichte dieses finsteren Ortes. Deadwood ist kein Ort wo das Glück wartet aber Schicksale sich entscheiden.
Calamity Jane, Charlie Utter, Wild Bills Witwe Agnes Lake, Seth Bullock und Al Swearingen, viele Charaktere mache das gesamte Buch zu einem Kosmos und spannender Western.


James Carlos Blake Das Böse im Blut ( Liebeskind Verlag)

Zwei Brüder, ihre Schwester, ihr Vater und ihre Mutter.
Man kann seinem Blut nicht entfliehen. Um 1843, die Brüder Edward und John Little versuchen nur ihr Glück zu finden, im vermeintlich glorreichen wilden Westen. Sie verlieren und finden sich irgendwo zwischen New Orleans, den Wirren des Amerikanisch-Mexikanischen Krieges und dem Kampf gegen Indianer, Mexikaner, Iren, Amerikaner und sich selbst. Das Ziel immer vor Augen und stets weiter weg, als am Anfang. Fesselnd erzählt, als wenn am mit ihnen Reiten würde.


Hauke von Grimm Fracht (Edition PaperONE)

Bislang war er eher nur im Team lesbar, im LE-Allstars-Team zum Beispiel in den beiden Bänden „Revierköter“: Hauke von Grimm, 33 Jahre alt, 2004 aus eigenem Antrieb nach Leipzig gezogen. Und dageblieben. Jetzt hat er ein Bändchen Erzählungen vorgelegt: „Fracht“.
Eisenbahngleise enden auf dem Cover in der Wildnis. Aber dahin führt die Reise nicht. Und wer Erzählungen Jack Londonschen Ausmaßes erwartet, ist auch auf dem falschen Bahnsteig. Sven-André Dreyer deutet in seinem Vorwort zumindest schon einmal an, dass der Bursche, der hier drauflos plaudert, eher unter die Philosophen gehört. Und ein gut Teil seiner nachdenklichen Stücke sind denn auch eher philosophischer Art. Aber halt nicht à la Kant, Hegel oder Adorno. Diese Herren scheinen irgendwie niemandem mehr richtig Lesespaß zu machen.
Es ist eher das stille Phantasieren, das Kinder noch kennen, Jugendliche immer seltener und Erwachsene fast gar nicht, das Nachdenken über das seltsame Ich im seltsamen Jetzt, das dann auch mal die keineswegs abwegige Frage ergibt: Was passiert eigentlich, wenn ich morgen früh im falschen Körper aufwache: kafkaesk ist das natürlich. Wie in „Kafkaesk am Montagmorgen“, das Hauke gleich in zwei Varianten anbietet. E könnte ja sein, man wacht unverhofft mitten in Afrika auf – und muss am Ende Amerika von den landgierigen Weißen befreien.
Ein Dämon hat in Haukes Geschichten genauso sein Plätzchen wie eine unverhofft vorhandene Ehefrau, die das Leben des Schwerenöters auf legere Art und Weise einfach unter ihre Regie nimmt. Das soll vorkommen, genauso wie die Sache mit den Hunden und Katzen oder die unverhoffte Flucht vor ein paar muskelbepackten Burschen, die dann trotzdem da endet, wo der Held gern hin wollte: in der Wohnung einer umwerfenden Schönheit.
Man ahnt: Phantasie fehlt dem Manne nicht. Und Erzählungen sind’s auch nicht. Eher gehört das, was Hauke sich so in die Tage hinein denkt und ausgedacht hat, eher in die kleineren Schubladen Geschichte, Fabel, Miszelle – letzteres ja gern benutzt als Sammelbegriff für so manches, was in klassische Muster nicht passt. Glosse passt auf das ein oder andere auch. So genau nimmt’s der Meister der Fabel nicht. Manchmal spart er sich auch die Fabel, und dann ist es wohl eher ein Mini-Essay. So wie der über die komische Sache mit der Liebe („Das vergebliche Leugnen der Liebe“) oder die diversen Lebensalter („Ultra-Violett“, „Ultra-Rot“).
Selbst der Akt des Schwimmen-Lernens bekommt eine philosophische Dimension (Immerhin geht’s hier um Gut und Böse). Und mit „Fracht“ geht’s auch nicht auf den Schienenweg, sondern auch wieder auf die Laststraße des Lebens. Es geht also bunt durcheinander Gärtlein des Dichters, der manchen Kurztext auch so schreibt, als hätte es ursprünglich mal eine Ballade werden sollen. Prosa-Gedicht also. So wie Grimms erster Text „…“.
Immerhin haben 21 dieser kurzen Texte in das Buch gepasst, Texte, die der Autor teilweise schon seit Jahren mit sich herumtrug. Einige haben die Müh nicht gescheut, sich zu richtig flotten Geschichten auszuwachsen. Andere bleiben lieber noch im lyrischen Reich. Vielleicht werden sie noch gebraucht. Der Autor ist ja noch jung und muss sich für gelegentliche Auftritte bei der Lesebühne Schkeuditzer Kreuz auch noch was aufheben. Mancher kennt ihn auch von „Lesbar“ aus Radio Blau, noch so einem durstigen Wegrandgewächs, der derzeit auf Abwicklung steht, weil die erstinstanzlichen Entscheider lieber auf den Weihnachtsmann warten.
Für alle, die also wissen wollen, was im Kopf eines Burschen wie Hauke von Grimm vor sich geht, gibt’s das entsprechende Allwetter-Paket jetzt also als handliches Leseprodukt. „Fracht ist etwas, das beschäftigt“, schreibt Grimm in seinem Text „Fracht“. Und so manches kann einen schon beschäftigen. Am Montagmorgen etwa. Wenn Sie nicht in einem Beduinenzelt erwachen, haben Sie wahrscheinlich noch mal Glück gehabt.

Text: Ralf Julke @ www.l-iz.de


Jon Fosse Schlaflos (Rowohlt)

Unscheinbar und leicht liegt es in der Hand, auf dem Cover steht eine winzige Figur im dunklem Blau, das nach oben heller und grün wird, doch nichts wird heller in dieser Erzählung. Der norwegische Dramatiker Jon Fosse versteht sein Handwerk, fast lyrisch schreibt er, so das man eintauchen kann oder besser mit schwimmt und mitfühlt mit diesem entgleisten Pärchen und ihnen ihre Ausweglosigkeit abnimmt. Wenn es nicht so schaurig wäre könnte man „Schlaflos“ eine wunderschöne Geschichte nennen.


HC Roth Der Tag als Berta Blumfeld starb (Edition PaperONE)

In „Der Tag als Berta Blumfeld starb“ gibt es Anglerlatein vom feinsten und von beiden Seiten der Schnur. Was das alles nun mit Berta Blumfeld zu tun hat, erliest man sich am besten selbst.


Lorenz Langenegger Hier im Regen (Verlag Jung und Jung)

Der Züricher Lorenz Langenegger hat uns ein Buch geschenkt in dem man Mitlaufen möchte, durch die Straßen von Bern, eine Stadt danach kennt und doch noch kennen lernen will, denn eine Reise drängt sich nach der Lektüre geradezu auf. Man möchte neben Walter im Zug nach Locarno sitzen und den Menschen begegnen die ihm auf seinem Trip über den Weg laufen. „Hier im Regen“ ist nicht nur ein passender Titel für das Buch sondern auch das Gefühl was es beschreibt. Die Frage ist also nicht warum man das Buch kaufen soll, sondern warum man es nicht wieder aus der Hand legen will und warum es nie enden darf.


Hans Waal Die Nachhut (Plöttner-Verlag)

Es geht um die Vergangenheit unseres Landes. Aber diesmal wird nicht der große Zeigefinger und Bertoffenheits- Zug abgefahren sondern eine Ironische Geschichte aus 3 Perspektiven und 4 verschiedenen Zeiten erzählt. Perfekt das Generations- und Verdrängungsproblem auf den Punkt gebracht ohne einen Einheitsbrei daraus zu machen.


Feridun Zaimoglu Liebesbrand (Hörbuch (6 CD) – beiGoya Lit aus dem Hause Jumbo Neue Medien // Buch bei Kiepenheuer & Witsch Verlag)

Liebesbrand ist die Geschichte eine Mannes. Die Geschichte einer Liebe, die Geschichte einer Reise eines Mannes zu einer Liebe.


Joel Haahtelas „Der Schmetterlingssammler“ (Kurzbeschreibung)

Das Buch ist aber alles andere als Vorhersehbar oder Verwirrend, im Gegenteil, es verbirgt viele Zweige eines Baumes an dem beide Personen sich im Wurzelwerk irgendwann mal verhackt haben müssen. »Der Schmetterlingssammler« ist Joel Haahtelas erstes ins Deutsche übersetzte Buch und weist ihn als zeitlosen, souveränen Erzähler aus.


­­Volker Surmann (Hrsg.) Sex – von Spaß war nie die Rede (Satyr-Verlag)

Eine Anthologie ist nach dem griechischen eine Blütenlese – keine Falschgeldsammlung, sondern das Sammeln von Blumen. Oder sie ist eine Sammlung ausgewählter Texte verschiedener Autorinnen und Autoren, so belehrt uns das freundliche Wikipedia und hier trifft beides zu.

„Bücher über Sex gibt es wie Sand am Meer oder wie halt schlechten Sex im Leben aber gute Bücher über den misslungenen Akt haben gefehlt.“